An dieser Stelle wächst in den nächsten Monaten die Information und Einladung zur großen Jubiläums-ausstellung in der VHS Karlsruhe.

 

Beginn 9. Februar 2017

 

 

 -  J U B I L Ä U M S  -  A U S S T E L L U N G   2 0 1 8  -

 

 

Die Eckdaten, soweit sie schon feststehen:

 

VERNISSAGE:  Freitag, den 9. Februar 2018 um 19 Uhr

                      im Ulrich-Bernays-Saal der VHS Karlsruhe,

                      Kaiserallee 12e

 

FINISSAGE:     Freitag, den 13. April 2018 um 19 Uhr

 

 

KALLIGRAFIE-VORFÜHRUNGEN

"Dem Kalligrafen über die Schulter geschaut".

                      am Dienstag, 20. Februar  von 17 - 20 Uhr

                      und am Samstag, 17. März von 11 - 15 Uhr

 

 

 

 

             Else Lasker-Schüler: Ein alter Tibetteppich

 

 

 

   Wiederholte Begegnungen  

  30 Jahre Kalligraphie

 

Als ich 1986  angefangen habe, mich in die geschriebene Letternkunst zu vertiefen, konnte ich noch nicht ahnen, dass sie mich in Faszination und Leidenschaft einfangen und  ein Leben lang nicht wieder loslassen würde.

 

Eine über zweitausendjährige Schriftgeschichte, von den Griechen und Römern herkommend,  hat uns Abendländern einen gewaltigen Schatz an ästhetischen Formen hinterlassen, aus dem wir mit vollen Händen (oder sollte ich besser sagen: „mit gefüllter Feder“) schöpfen können; schöpfen, schaffen und immer wieder auch neu gestalten. Denn der Kalligraph ist nicht nur ein Verwender dessen, was schon da ist; er ist auch immer ein Neu-Entdecker und Weiterentwickler und dabei ganz Kind seiner Zeit. Seine Kunst ist eine händische, d.h. sie lebt, pulsiert, atmet und verändert sich, und er drückt ihr mit seiner „Handschrift“ seinen persönlichen und zeitgenössischen Stempel auf. Veränderte und neugeschaffene Schriftformen werden so wieder zum Allgemeingut und stehen der weiteren Verwendung und Verwertung durch andere Kalligrafen zur Verfügung: ein fruchtbares Geben und Nehmen in stetigem Austausch.

 

So wie jedes Zeitalter der Kunstgeschichte sich immer wieder zum nächsten hin verändert hat – es ist ein steter Fluss – erleben wir auch heute ungebrochen in der Schrift eine gewaltige Veränderung, Entwicklung und Wandel, die uns erstaunen lassen über die Wandlungsfähigkeit und unvorhersehbare Vielfalt an Möglichkeiten, die in diesen 26 Buchstaben immer wieder entdeckt werden. Das hat auch damit zu tun, dass neu hinzukommende Werkzeuge eine Vielzahl an überraschenden Strichqualitäten und Schreibbewegungen ermöglichen, akzeptiert von einer veränderten Sichtweise und sich mitentwickelnden Ästhetik. Es ist ein lustvolles Spiel in diesem kreativen Entdecken.

 

Im Laufe der 30 Jahre meiner kalligraphischen Tätigkeit sind eine Unzahl von kleinen und größeren Textblättern entstanden, und das Überraschende war dabei, dass in den meisten Fällen (ausgenommen die Auftragsarbeiten) nicht ich auf der Suche war nach einem passenden Inhalt, sondern die Texte selbst es waren, die mich aufgestöbert und gefunden haben; in einem passenden oder notwendigen Moment sind sie in mein Leben getreten. Einigen davon bin ich wiederholt begegnet: sie haben mich nicht mehr losgelassen und ich habe sie im Laufe der Zeit immer wieder aufgegriffen und neu gestaltet. Und manchmal war es so, dass eine Arbeit, die ihrem Abschluss entgegen ging, mich mit neuen Ideen und Gedanken weitergeschubst hat und ich sie noch einmal, verändernd und weiterführend, aufgegriffen habe.

 

Von diesem Weg und seinen Begegnungen erzählt Ihnen diese Ausstellung.

 

Es ist mir auch ein Bedürfnis, Dank zu sagen den Menschen und Kalligrafen, denen ich begegnet bin und die mich beeinflusst, gefördert und bereichert haben. Karl-Wilhelm Meyer war der erste, in dessen Karlsruher Kursen ich 1986 als Schrift-Anfänger die mühevollen ersten Schritte gehen konnte und wo ich mich mit der unheilbaren Faszination an der Kalligrafie infiziert habe. Der nimmermüde und umtriebige Professor Karl-Georg Höfer, Gründer und Leiter der Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach, hat dann kurze Zeit später und über lange Jahre hin mit seiner eigenen nicht nachlassenden Begeisterung den Impuls gesetzt und den Stachel ins Fleisch getrieben: „Fange nie an aufzuhören! Höre nie auf anzufangen!“ Nach unzähligen Wochenendkursen und Sommerschulen bin ich noch heute der Offenbacher Schreibwerkstatt als Mitglied, Dozent und gelegentlicher Kursteilnehmer in „familiärer“ Verbundenheit verpflichtet. Hans-Joachim Burgert war es dort, der wie keiner den Blick von festgefahrenen Konventionen auf neue unkonventionelle Strukturen gelenkt und den Mut zum grenzenlosen Ausloten angefacht hat. Albert Schmalz, der große Meister, wird mir in seiner bescheidenen Art und in seinem auch im hohen Alter nicht nachlassenden Lerneifer als Freund und Kursgenosse immer in dankbarer Erinnerung sein. Und erst drei Jahre alt ist meine Mitgliedschaft bei „Ars Scribendi“, einem Kalligraphenverein, von dem viele bereichernde und anregende Aktivitäten ausgehen und Freundschaften entstanden sind, die ich nicht mehr missen möchte.

Mögen diejenigen, die ich hier nicht alle nennen kann, mir dies nicht als Vernachlässigung ankreiden, sondern sich selbstverständlich in die Reihe der wichtigen Weggefährten eingeschlossen fühlen.

 

Die Geschichte ist in diesem Rückblick noch nicht zu Ende, denn es gibt noch viel zu entdecken. Mit ungebrochener Schreibfreude und Schaffenslust arbeite ich mich dem entgegen, was mir, eingebettet im Heer der anderen Kalligraphen auf dieser Welt, an neuen Entdeckungen noch begegnen soll. Das ist das Schöne und Aufregende an dieser Kunst, dass sie nicht nur eine reiche Vergangenheit hat, sondern auch, lebendig wie sie ist, sich verändert und entwickelt und eigentlich mehr Zukunft vor sich sieht als an Geschichte hinter ihr liegt – vorausgesetzt Donald Trump und Kim Jong Un bauen jetzt keinen Mist . . .

 

In diesem Sinne freue ich mich sehr auf diese Ausstellung, auf viele neugierige Besucher, viele Fragen und viele gute Gespräche. Und natürlich, dass Ihnen die Bilder gefallen mögen . . .

 

Karlsruhe, im September 2017     

                             

© Hubert Leonhard Graf

      www.Kalli-Graf.com

 

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                      Samuel Beckett:   Ever failed . . .?

 

 

 

                   Mein liebster Martinus Luther . . .

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand: 27. September 2017